Tuesday, May 16, 2006

Leipziger Internet-Zeitung: „Mailight“ bei Lok. Internationale Party endet 4:4

Source: Leipziger Internet-Zeitung

geschrieben von: mhoffmann am Montag, 15. Mai 2006

Der Mai muss irgendetwas Besonderes haben. Aber niemand weiß, ob es an der großen Wonne liegt, dass gerade in diesem Monat stets die Highlights für Lok liegen. Das Europa-Cup-Finale in Athen 1987, das Gastspiel von Lothar Matthäus und das Freundschaftsspiel gegen Hertha BSC im letzten Jahr. Der Mai dieses Jahres hat es wieder gut mit den Lok-Fans gemeint.

Die englische Mannschaft vom FC United of Manchester kam aus der 10. englischen Liga, die den sehr aufschlussreichen Namen: Moore & Co Construction Solicitors North West Counties League Division 2, trägt. Nun. Vielleicht kommt die Erleuchtung mit einem kurzen Abriss der Klubgeschichte. Milliardär Malcolm Glazer hat sich am 12. Mai 2005 den Renomeé-Klub Manchester United geschnappt und seine Privatschulden auf den Klub übertragen. Der bis dahin reichste Fußballverein Europas hatte mit einem Schlag 650.000.000,00 Pfund Schulden.

Ein Teil der Fans, die 35 Pfund (ca. 50 €) für eine Karte bezahlen mussten und nun zur Schuldentilgung Glazers, der überhaupt kein Interesse an Fußball hat, herhalten sollten, kehrten dem hässlichen Kommerz den Rücken und gründeten einen Verein, in dem es sich um Fußball und nicht um Milliardäre drehen sollte. Seit dem 14.06.2005 existiert der FC United of Manchester. Wahlspruch der Fans „Hate Glazer Love United“.

Ende April diesen Jahres stand fest, dass die Engländer gleich in ihrer ersten Saison die aufschlussreiche Liga namens… verlassen und in die 9. Liga aufsteigen. Ein Spieler verdient übrigens ca. 150 € / Woche, was in der deutschen Erfahrungswelt erstmal seinen Platz suchen muss. Hier gibt es in der 10. Liga keine Gehälter. Der 1. FC Lok bezahlt 150 € an seine Spieler – im Monat.

Den Weg nach Leipzig fanden die Engländer dank John Marley und Matthias Löffler, die sich eines Tages in Leipzig kennen lernten und eine gemütliche Bar einer lauten Disko vorzogen und dort erstmals nach geschätzten fünf Bier von ihrem Traum sprachen. Einem Spiel ihrer Teams gegeneinander. Die vergangenen drei Monate haben sie hart für diesen Traum gearbeitet und etwas auf die Beine gestellt, was Leipzig in dieser Form lange nicht – wenn überhaupt – gesehen hatte.

7462 Zuschauer kamen zu diesem zweiten internationalen Freundschaftsspiel des 1. FC Lok. Unter ihnen auch Leipzigs OK-Chef Ulrich Wolter, der als einziger der Leipziger Sport- und Politprominenz den Weg ins Stadion fand, obwohl doch hier die beste Möglichkeit gewesen wäre, sich mal Appetit auf die WM zu holen oder blieb man aus Angst vor Ausschreitungen zu Hause? Die Polizei, mit 600 Mann im Einsatz, wird sich schon nach 10 Minuten geärgert haben, dass sie so zahlreich erschienen ist. Es blieb ruhig. Bestens eingestimmt wurden die Fans durch das Jugendblasorchester Leipzig und durch Ballkünstler „Fabinho“, der Kunststücke mit einem Fußball vollführte, auf die manche nicht mal in Trance kommen würden.

400 Fans aus Manchester waren ebenfalls da. Immerhin mehr als 10% der Zuschauer, die die Spiele des FC United in Manchester besuchen. Und die sahen zunächst kein Tor sondern ein Plakat der Lok-Spieler „Lok ist gegen Gewalt und Rassismus“.

Aber dann kam auch schon das Tor. Zwei Minuten nach Anpfiff klärte die Lok-Abwehr nicht gut genug und David Swarbrick machte das erste Tor des FCUM auf deutschem Boden. Leider war es im gesamten Stadion so stimmungsvoll, dass man nicht viel vom englischen Jubel hören konnte. Drei Minuten später wurde Heusel im Strafraum gefoult, und Frank Wimberger traf zum 1:1. Und wieder zwei Minuten später machte es dann Heusel selbst. Manchesters Torhüter Melville eilte aus dem Tor raus und spielte den Ball genau zu Heusel und der traf aus 28 Metern. 2:1 nach gespielten sieben Minuten. Ein wahrlich würdiger Rahmen, zumal sich die Organisatoren John und Matthias ein 5:5 gewünscht hatten.

Aber die Anfangsphase war noch nicht vorbei. Nach elf Minuten köpfte Rob Nugent freistehend ein. Enrico Gehrke beschwerte sich danach erstmal beim Schiri, ob dieses Zweikampfverhalten der Engländer, die ihn beim Eckball keine Chance ließen an den Ball zu kommen, normal sei. Dasselbe Problem hatten im weiteren Spielverlauf nahezu alle Lok-Spieler. Sie hatten schlichtweg nicht verinnerlicht, dass dies hier nicht der FC United of Mörtitz sondern der FC United of Manchester ist. Und die Engländer ihrerseits hatten auch Probleme mit dem Schiedsrichter, der kam aus Machern, wo nicht unbedingt englischer Fußball gespielt wird und hatte dementsprechend Probleme, jeden Zweikampf richtig einzuordnen.

Manchester attackierte den FCL sofort und tief in der Abwehr, was zur Folge hatte, dass Lok nach dem 2:2 erstmal weg vom Fenster war. Man kam ganz einfach nicht mehr über die Mittellinie. Nicht mehr? Gar nicht mehr? Doch. Ein einziges Mal. Thomas Wetzig erkämpft und spielt den Ball - zu Metzner -, der zu Würzberger und der trifft. 3:2 kurz vor der Pause. Die Engländer wären wahrscheinlich am liebsten sofort zurück über den Ärmelkanal, sie hatten das Spiel immerhin 35 Minuten mehr als kontrolliert.

Aber zum Glück gab es ja noch eine zweite Halbzeit. Rienaß foulte Patterson und der lupft den Elfmeter wie einst Panenka ins Tor. Wenige Minuten später dann wieder Führung Manchester. 4:3. Wahnsinn. Die Stimmung erreichte einen erneuten Siedepunkt als Patrick Lesser das 4:4 machte. Der Schiedsrichter pfiff zehn Minuten später ab und die Party ging weiter. Die Spieler beider Mannschaften tauschten ihre Trikots und gingen gemeinsam zu beiden Fanblöcken, machten die „La-Ola-Welle“ und ließen sich feiern. Zu recht. Sie hatten gezeigt, dass man nicht viel Geld in der Kasse braucht, um einen Verein attraktiv zu repräsentieren und attraktiven Fußball zu spielen.

Nach dem Spiel ging es dann für Fans und Spieler in die Diskothek „Volkspalast“, wo bis in den frühen Morgen gefeiert wurde. Die Lok-Spieler mussten allerdings schon um 1 ins Bett, denn Sonnabend stand das Punktspiel gegen den SV Süptitz an.

Die Süptitzer waren im Vorfeld clever und wollten das Punktspiel nicht auf Sonntag verlegen, wie Lok es wünschte. In der Hoffnung, dass Lok so geschwächt ist, dass den Süptitzern die Sensation gelingt. Problem war nur, dass sie dafür ein Tor hätten schießen müssen. Dafür waren sie aber zu harmlos. Genau ein Torschuss gelang ihnen in 90 Minuten. Lok spielte mit schweren Beinen und traf zweimal. Damit hat man auch seine Pflicht in der Liga getan. Vor dem Spiel fand noch ein Fanspiel zwischen englischen und deutschen Fans statt. Manchester gewann 3:2, was aber nicht schwer war, denn sie hatten gleich 20 Spieler mitgebracht. Andy Walsh, der Vorsitzende, stand im Tor. Der englische Schiedsrichter trug die ganze Spielzeit ein Tablett mit sieben Bechern Bier durch die Gegend, wo jeder einmal nippen durfte.
Es war einfach was los in Probstheida.


Info: Weitere Ergebnisse: Die II. Mannschaft gewinnt gegen Leipzig 1910 mit 3:0.